10.08.2016 16:00 0 Kommentare

Autoteile austauschen – Was ist erlaubt?

Lenkräder austauschen, Airbags ausbauen, Bremsbelege erneuern ... all das sind Arbeiten, die ein geübter Hobbybastler in seiner Garage selber an seinem Auto vornehmen kann. Doch seit geraumer Zeit stecken immer mehr technische Raffinessen in immer mehr Autoteile. Daher geht es nicht mehr alleine ums Können, sondern vor allem ums Dürfen! Bevor Sie also zur Zange und dem Drehmomentwerkzeug greifen, ziehen Sie als KFZ-Besitzer besser Erkundigungen darüber ein, was mit den gesetzlichen Vorschriften konform ist. Sie wollen Ihren Wagen ja nicht nur verschönern, sondern auch weiterhin fahren!

 

Ein neues Lenkrad?

Autofahren, ohne das Lenkrad zu berühren, ist auch für gewiefteste Fahrer nicht möglich – kein Wunder, dass man sich bei dem steten Körperkontakt wohlfühlen möchte und das Material, die Dicke und Größe individuell passend gestalten will. Auch lassen sich bei modernen Lenkrädern inzwischen zahlreiche Steuerungsmöglichkeiten anderer Geräte wie Radio, Navigationssystem oder Heizung vornehmen. Doch die vielen Schalter und Regler zur Einstellung dieser Vorrichtungen verhindern mittlerweile ein allzu leichtes Ausbauen des serienmäßigen Lenkrads. Aber auch, wenn Sie nicht mehr innerhalb nur weniger Minuten die Servolenkung auf die Nabe setzen und losfahren können, ist es natürlich noch immer machbar - sei es neu oder soll es einfach nur neu aufgearbeitet werden.

 

1)      Aufgrund der diversen Bedienelemente schauen Sie zunächst, ob Sie das gewünschte Produkt als Original von Ihrer Automarke erhalten, bevor Sie auf Drittanbieter zurückgreifen.

2)      Merken Sie sich, wo sich die Verbindungen und Kabel zu den einzelnen Bauteilen befinden.

3)      Drehen Sie das Lenkrad in seine gerade Position.

4)      Markieren Sie diese Stellung mit einem geeigneten Stift.

5)      Lockern Sie die Nabe und trennen Sie die einzelnen Kabelverbindungen. Die meisten sind durch Schrauben befestigt und können einfach herausgedreht werden, doch ist dies von Fahrzeugmodell zu Fahrzeugmodell unterschiedlich.

6)      Nehmen Sie nun das alte Lenkrad vorsichtig ab.

7)      Wichtig ist, die neue Steuerung im identischen Winkel auf die Nabe zu stecken. So wird sichergestellt, dass der Einschlagwinkel identisch bleibt und das ESP-System zur Fahrdynamikregelung nicht beeinflusst wird. Sie finden den Sensor in der Regel in der Lenksäule.

8)      Zum Einsetzen des neuen Lenkrads benötigen Sie einen Drehmomentschlüssel. Schrauben Sie damit alles wieder fest. Achten Sie genau darauf, weder das Kabel zu quetschen, noch die Steckverbindungen lose zu hinterlassen.

9)      Fast geschafft: Doch der letzte Test zeigt erst, ob alles richtig gemacht wurde: Ist der Geradeauslauf korrekt eingestellt? Schaltet sich nach der Rückdrehung der Blinker automatisch wieder ab? Und – das Wichtigste ... können Sie noch hupen?!

 

Achtung Airbag!

Airbags haben wir bislang absichtlich nicht erwähnt, denn diese bedürfen einer ganz besonderen Aufmerksamkeit. Um hier keinen Fehler zu begehen, müssen Sie sich mit der Handhabung von KFZ-Spezialwerkzeugen gut auskennen, nehmen Sie im Notfall den Rat eines Profis an und lassen sich einmal alles zeigen. Zudem ist ein einmaliger Lehrgangzum Umgang mit Airbags und Gurtstraffern Pflicht, ebenso die Vornahme des Ausbaus in einer Werkstatt – also nicht einfach im Garten daran arbeiten! Denn Airbags enthalten Sprengstoff, und darüber wiederum gibt es zahlreiche Gesetze und Verbotsvorschriften, um Gefahrenlagen zu minimieren. Schließlich soll ja der eben noch genutzte Schraubenzieher bei einem ungewollten Aufgehen des Airbags nicht in der Luft herumfliegen. Dennoch wird andererseits von Autoherstellern teils sogar empfohlen, Airbags nach spätestens zehn Jahren auszutauschen, um deren Funktionalität garantieren zu können.

 

Vorgehensweise

1)      Der neue Airbag muss auch neu sein – kaufen Sie keinen gebrauchten, der entsprechende Handel ist in Deutschland verboten. 

2)      Klemmen Sie mit äußerster Vorsicht das Batterie-Massekabel ab, um nicht gleichzeitig den elektronischen Speicher zu löschen.

3)      Nehmen Sie die Verkleidung der Lenksäule ab.

4)      Trennen Sie die innen liegenden Airbag-Steckverbindungen.

5)      Gehen Sie nun vor, wie oben bereits beschrieben: den Neuen einsetzen, alles festschrauben – und statt der Überprüfung hoffen, dass alles im Notfall funktionieren wird. Denn ausprobieren möchten Sie den Airbag sicher nicht!

6)      Schließlich: Auch für die Entsorgung des gebrauchten Airbags finden sich hierzulande Vorschriften. Nach Regelungen der Altfahrzeug-Verordnung dürfen nur speziell ausgebildete Fachkräfte diese mit einer externen Zündung vernichten.

 

Bremsscheiben und –beläge wechseln

Beim Ausbau und der Neumontage von Bremsen muss ebenso sorgfältig gearbeitet werden, denn auch diese Autoteile dienen in höchstem Maße Ihrer Sicherheit. Um zudem einen Arbeitsschritt zu sparen und eventuell nach nur kurzer Dauer erneut zur Zange und Ratsche greifen zu müssen, empfiehlt sich ein Austausch von Scheiben und Belägen in einem Reparaturvorgang. So sparen Sie auch Zeit und Mühe, denn die anfänglichen Arbeitsschritte sind so gut wie identisch.

 

·         Haben Sie neben den Bremsscheiben und -belägen auch neue Klammern und Bolzen griffbereit.

·         Fahren Sie Ihren Wagen auf eine Hebebühne und nehmen Sie die Räder ab.

·         Entfernen Sie den Verbindungsstecker für das Verschleißwarnsystem sowie die Verkleidungen an der Innenseite.

·         Lockern Sie die Bolzen mit einem Inbus ebenso wie die Klammer zur Sicherung am Bremssattel. Wichtig: Befestigen Sie diesen mit einem Draht oder einer robusten Schnur an der Fahrwerksfeder, damit das Gewicht ihn nicht herunterzieht.

·         Jetzt kann das Gehäuse abgenommen und die alten Bremsbeläge ausgebaut bzw. die Bremsscheiben gewechselt werden. Achtung: Hier gibt es Modelle mit einer speziellen Montagerichtung nach links oder rechts. Schlagen Sie im Handbuch nach, ob dieser Fall bei Ihrem Wagen einschlägig ist.

·         Montieren Sie alles wieder in der umgekehrten Reihenfolge zur anfänglichen Abnahme. Sobald die Kappen aufgesetzt wurden, ist das Werk vollbracht! Treten Sie das Bremspedal nun einige Male im Stillstand des Wagens durch, und schon können Sie auch mit laufendem Motor wieder durchstarten und vor allem stoppen!

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