28.04.2016 10:17 0 Kommentare

Kfz-Geräusche: Musik oder Verfall?

 
 
'Das Auge isst mit': Jeder kennt diese Weiheit, und sie wird immer wieder bestätigt. Doch auch Akustik spielt in vielen Lebensbereichen eine bedeutende Rolle – unter anderem in der Kfz-Branche. Ob Motorräder oder PKWs: Hersteller beschäftigen für den perfekten Klang ihrer Modelle oftmals sogar ausgesprochene Akustik-Experten. Diese sorgen für einen positiven Motor-Sound und die gleichzeitige Unterbindung metallischer oder mechanischer Nebengeräusche durch bewegliche Autokomponenten wie Kolben oder Zahnräder.
 
Emotionales Akustikdesign statt Klappern und Heulen
 
Beim Fahren entstehen an allen erdenklichen Ecken und Kanten von Wagen und Zweirädern Geräusche. Abhängig von Zylinderanzahl, Zündfolge und Vibrationen, eingesetzten Materialien oder Verarbeitung von Auspuff & Co. entwickeln sich unterschiedlichste hörbare Merkmale. Mit dem optimalen Sound soll die Kaufentscheidung potentieller Kunden positiv beeinflusst werden. Dafür überprüfen Techniker bereits bei der Entwicklung im Studio per Mikrofon Frequenzen und ändern bei Bedarf die Geometrie, Steifigkeit oder Dämpfung spezieller Bauteile. Sollten Sie mit der Qualität von Schalldämpfer-Leistung, Drehmoment oder Außengeräusch nicht zufrieden sein oder ungewöhnliche wiederkehrende Laute an Ihrem Fahrzeug wahrnehmen, die bislang nicht zu vernehmen waren, können Sie auch in Eigenregie etwas verändern. Wie immer unter der Voraussetzung, die passenden Kfz-Werkzeuge parat zu haben und über Zeit und ein wenig Fachkenntnis zu verfügen!
 
Geräusch lokalisieren und beheben
 
Um die Herkunft von Bremsen-, Reifen-, Motor- oder auspufffremden Geräuschen lokalisieren zu können, stellen Sie zuallererst sicher, dass keine Umgebungsgeräusche Ihre Wahrnehmung beeinflussen. Entfernen Sie alles Bewegliche aus dem Auto, alles, das rappeln könnte: Parkmünzen im Handschuhfach, Reserveräder im Kofferraum oder Werkzeugkisten auf der Rückbank.
 
Mögliche Ursachen und Abhilfen
 
1. Klappern in Karosserie oder Innenraum: Schläuche sind lose. Mit Kabelbindern fixieren und Metallteile durch Schaumstoffteile dämpfen bzw. Kunststoffflächen mit Silikonspray oder Wachs schmieren. Kein Fett anwenden – dieses greift den Kunststoff an!
2. Dröhnen der Kupplung, vernehmbar im Leerlauf: Torsionsfeder der Mitnehmerscheibe nicht mehr intakt. Erneuern!
3. Mahlende Kupplungsgeräusche während der Fahrt: fehlerhaftes Ausrücklager – Austausch!
4. Schlagende Laute bei Wechseln der Lasten: Mangelhaftes Motorlager. Nachziehen oder austauschen!  
5. Brummen oder Knacken in Kurven: defektes Radlager oder kaputte Antriebswellen. Wagen aufbocken und am Rad drehen. Bei spürbaren Vibrationen Reparatur oder Austausch!
6. Schleifen beim Bremsvorgang: abgefahrenen Bremsbeläge – neue montieren!
7. Scheppern aus der Armatur bei der Fahrt: Kabel schlagen auf die Lüftung oder andere Autoparts. Betreffende Kabel fixieren bzw. Komponenten mit weichem Stoff ummanteln.
8. Knacklaute beim Fahren auf Ruckelpisten: Türfallen sind trocken. Haftschmiermittel auf den Schließmechanismus auftragen!
9. Wummern bei hohem Tempo: gelockerte Kunststoffverkleidungen an Stoßstange bzw. Unterboden. Autoparts auf feste Anbringung überprüfen – im Zweifelsfall fixieren!
10. Windgeräusche beim Fahren: Türdichtungen nicht mehr intakt. Scharnierplatten an der A-Säule ausrichten oder Fensterrahmen vorsichtig nach innen biegen. Achtung: schwierige Arbeit, Erfahrung vonnöten!
11. Wiederkehrendes Knacken: Antriebe defekt oder Lager von der Kardanwelle und Gelenkmanschette beschädigt. Reparieren!
12. Knatternder Auspuff: Abgassystem undicht. Ebenfalls Reparatur!
 
Der Sound von Sportmotorrädern
 
Aufgrund veralteter Genehmigungsprotokolle ist es möglich, auch für Motorräder mit höheren Lärmwerten eine Betriebserlaubnis zu erhalten. Allerdings mehren sich EU-weite Restriktionen im Sinne der Nicht-Fahrer. Sogar auf ausgewiesenen Rennstrecken werden Lärm¬beschränkungen erlassen. Doch nicht nur, dass das Fahrvergnügen ohne den entsprechenden Sound reduziert wird. Auch wird es immer problematischer für Biker, mit eigens umgebauten Zweirädern ohne Probleme unterwegs zu sein. Denn wer den Grundton seines Motorrads durch eine Bearbeitung der Sauganlage verändert und so einen stimmigen Gesamtsound hervorruft, ohne sich dies genehmigen zu lassen, muss mit Bußgeldern oder sogar dem Erlöschen der Zulassung rechnen. Nach gesetzlich festgeschriebenen Geräuschbestimmungen markiert in Deutschland der Wert von 74 Dezibel die Höchstgrenze – also unbedingt die möglichen Restriktionnen beim Tuning berücksichtigen! Oder Sie machen es wie zahlreiche Autohersteller und bauen Auspuffklappen ein, welche sich erst bei hohen Drehzahlen öffnen und dadurch erst später aus dem zunächst ruhigen, surrenden Motorton einen racetypischen Sound kreieren!
 
Mit oder ohne Tonstudio
 
Das für künftige Fahrer optimale Geräusch hervorzurufen und damit den Verkauf ihrer Modelle anzukurbeln, liegt unter anderem Porsche sehr am Herzen. Eine separates Team aus spezialisierten Akustik- und Schwingungstechnik-Ingenieuren kalkuliert im hauseigenen Entwicklungszentrum sämtliche erdenklichen Optionen. Filter, Rohre, Volumen …. alle, was mit dem Gaswechselsystem zusammenhängt, wird variiert und geprüft, bis unter den letzten rund fünf verbleibenden Prototypen der beste herausgesucht wird. Und sogar dann erfolgt noch einmal eine Bewertung und nochmalige Anpassung für den endgültigen Wunschklang. Wenn Sie selbst die Beschleunigung Ihres Kraftfahrzeuges nicht nur spüren, sondern auch akustisch wahrnehmen möchten, müssen Sie nicht ganz so weit gehen – es geht auch ohen Tonstudio. Widmen Sie sich mit den richtigen Autowerkzeugen einfach in Ihrer Garage der typischen Charakteristik des Motors, dem Ansaugsystem sowie der Abgasanlage. Durch eine Veränderung der Rohrlängen oder des Schalldämpfervolumens können Töne individuell angepasst werden.
 

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