30.10.2015 09:57 0 Kommentare

Oldtimer anmelden und warten

Die große Beliebtheit der historischen Gefährte liegt nicht nur an ihrem Aussehen, sondern auch ihrer Rendite: Kaum ein Investment, das derzeit so viel abwirft. Erwerb und Besitz jedoch kosten, und die Voraussetzungen sind streng. Ob Omnibus oder LKW, Transporter, Motorrad oder Fünftürer: Trotz Bewertungsspielraums des Gutachters, ist der Erhalt eines H-Kennzeichens nicht einfach: Aufgemotzte dreißigjährige Mercedes Cabriolets mit Leichtmetallfelgen und verchromtem Kühler sollten sich nicht allzu viele Hoffnung machen.
 
Voraussetzungen für ein H-Kennzeichen
 
Grundsätzlich gilt: Zwischen Erstzulassung und der Beantragung des Kennzeichens müssen mindestens drei Jahrzehnte liegen. Daneben sollte das Fahrzeug im bestmöglichen Originalzustand erhalten sein, es darf Gebrauchsspuren zeigen, jedoch keine groben visuellen Beeinträchtigungen wie erkennbare Unfallschäden, Lackabnutzungen oder Rost. Neu aufgetragener Lack muss aus dem Baujahr des Wagens, installierte Parts aus den ersten zehn Jahren seit der Erstzulassung stammen. Ein Motortausch ist innerhalb derselben Baureihe erlaubt, in Ausnahmefällen darf der Motor jünger sein als das Fahrzeug, jedoch nicht als 30 Jahre. Der Geist der Zeit soll stets von Außenstehenden erkannt werden können. Doch bei all dem darf es an der Verkehrssicherheit natürlich nicht mangeln: Bei der Hauptuntersuchung werden die zum Zeitpunkt der Produktion aktuellen technischen Voraussetzungen vom zuständigen TÜV-Gutachter in die Bewertung einbezogen, nach dieser Betrachtung muss das Auto mangelfrei sein. Modifikationen, die innerhalb der ersten zehn Jahre beim Kfz vorgenommen wurden, werden in der Regel dennoch positiv beschieden.
 
Vor- und Nachteile
 
Nach Erhalt des H-Kennzeichens stehen weitere finanzielle Hürden an. Um die Kosten des an sich bereits eher teuren Hobbys ein wenig zu deckeln, wurde in Deutschland ein Spezialreglement für historische Kraftfahrzeuge verabschiedet: Die Wagen und Zweiräder gelten als Kulturgut und werden somit automatisch pauschal besteuert: Mit derzeit rund 45 € müssen Besitzer von Motorrädern rechnen, gut 190 € werden für Wagen mit vier Reifen veranschlagt. Doch Vorsicht: Nicht immer erweist es sich als günstiger – Autos mit kleinen Motoren und wenig Hubraum fahren bei der Pauschal-Besteuerung grundsätzlich schlechter; auch der Spritverbrauch sollte in die Rechnung einfließen. Allerdings müssen die Besitzer mit der Wahl der normalen Kfz-Besteuerung gleichzeitig auf des begehrte H-Kennzeichen verzichten. Wer das nicht möchte, der kann zumindest bei der Kfz-Versicherung sparen: Viele Unternehmen unterstellen eine seltene und zudem besonders umsichtige Nutzung beim Bewegen von Oldtimern und bieten entsprechend reduzierte Beitragssätze. Dank Ausnahmegenehmigung dürfen diese Transportmittel auch in Umweltzonen und ohne Feinstaubplakette gesteuert werden.  
 
Selber pflegen und reparieren
 
Wer einen Oldtimer besitzt, der weiß um den Fachkräftemangel für die antiquierten Motortechnik. Für defekte elektronische Steuergeräte oder Halbleiter findet sich kaum mehr Ersatz, immer seltener  wird noch so wie vor einigen Jahrzehnten geschraubt, immer weniger Besitzer der historischen Gefährte legen gerne selbst Hand an, möchten aber von Vergaser auf Benzineinspritzung wechseln und ihr Fahrzeug damit erneut originalgetreu herrichten. So schwer ist es jedoch gar nicht: Vielerorts werden von Experten der alten Schule Seminare angeboten, um Probleme wie eine zu hohe Laufleistung bei Motoren früherer Bauart im Vergleich zu modernen Aggregaten beheben zu können. Mit den nötigen Grundkenntnissen ist es somit nicht immer vonnöten, eine kostspielige Werkstatt anzufahren. Es hängt ein wenig vom Reparaturumfang ab: Grundsätzlich wird bei Oldtimern von Teil- oder Vollrestauration gesprochen. Bei einer Teilrestauration sind Auto bzw. Zweirad noch fahrtüchtig, müssen jedoch in speziellen Bereichen überarbeitet werden. Dazu zählen beispielsweise das Ausbeulen der Karosserie, eine neue Lackierung oder neue Sitzbezüge, die Wartung des Armaturenbretts oder eine Überholung des Getriebes. Auch ein Ersatz von Bremsen und Radlager ist denkbar. Bei einer Vollrestauration hingegen kann das Kfz aktuell jeweils gar nicht mehr bewegt werden, und auch im Innern befindet es sich in eher schlechtem Zustand. Da bleibt nur eines: Das Zerlegen in Einzelteile mit folgender Reparatur oder Komplettaustausch der betroffenen Parts. Eine Teilrestauration können versierte Hobbybastler ohne Probleme mit dem richtigen Werkzeug selbst ausführen. Sie sollten allerdings auf die Verbauung von Original-Ersatzteilen achten, die in jeder guten Oldtimer-Werkstatt oder im spezialisierten Fachhandel erhältlich sind. Die Werkzeuge hingegen dürfen modern sein! Bei einer Vollrestauration sollten Sie sich allerdings doch sicherheitshalber an einen Fachmann wenden. Denn denken Sie daran: Bereits kleine Fehler in der Karosserie oder im Innenraum senken den Wert des Wagens um ein Beträchtliches.
 
 
 

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