12.06.2015 12:18 0 Kommentare

Neue Generation nachhaltiger Fahrzeuggetriebe

Seit 1986 bereits treffen sich Experten und Privatinteressenten in Friedrichshafen jedes Jahr erneut beim Internationalen VDI-Kongresses „Getriebe in Fahrzeugen“ zum gegenseitigen Austausch über Entwicklungen und Trends in dem speziellen Teilfeld ihrer Branche. In diesem Jahr findet die Messe vom 16.-17. Juni statt und widmet sich gezielt der Komplexität künftiger Anforderungen an Gangschaltungen für Diesel, Benziner und Elektroautos.

 

Messeschwerpunkt: Heutige Aufgaben von Getrieben

Mehr als 1000 Experten werden zwei Tage hindurch über innovative Systemlösungen und neue Techniken für unterschiedliche Getriebearten an Ausstellerständen und bei Fachvorträgen debattieren und untereinander ihren jeweiligen Wissensstand über Bauteile wie Kupplungen, aber auch Simulationsmöglichkeiten, Herangehensweisen und Potenziale für erfolgreiche Entwicklungen von wettbewerbsfähigen Produkten austauschen. Neben Handschaltungen und Automatik, Hybridfahrzeugen, Doppelkupplungs- und stufenlosen Getrieben stehen auch rein batteriebetriebene Elektrofahrzeuge im Fokus des Kongresses. Denn die Anforderungen an Effizienz und Nachhaltigkeit wachsen: Die Reduktion des Kohlendioxidausstoßes gilt als treibende Kraft für künftige Motorisierungen. Doch trotz einiger gelungener Ansätze erkennen Experten noch immer Potenziale bei der Optimierung des Wirkungsgrades moderner Getriebe.

 

Beispiele neuer Getriebearten

Bei Automarken rund um den Globus laufen Lösungsansätze für die Herstellung der geforderten komplexen Funktionalität auf Hochtouren. So widmete sich die BMW-Group unter anderem Antrieben für Sportwagen und fertigte einen hochwertigen Dreizylinder-Plug-in-Hybrid mit geringem Kraftstoffverbrauch an. Audi verbaute das Baukastenprinzip des Doppelkupplung-Siebengangs für Allradantriebe mit einem qualitativ ansprechenden Verteilergetriebe. Nach Jahren schlechterer Werte hat mittlerweile das Automatik- mit dem Handschaltgetriebe bezüglich des EU-Normverbrauches aufgeschlossen, die hydraulische Steuerung für eine komfortablere Schaltung wurde vereinfacht und stufenlosen Getrieben aufgrund ihrer grundsätzlichen Leistungsstärke von vielen Seiten eine florierende Zukunft vorausgesagt. Doch nicht nur die Automobilindustrie steht in der Pflicht: Jeder einzelne Fahrer kann etwas zum umweltfreundlichen Bewegen eines Fahrzeugs beitragen. Und dafür muss er nicht in der Werkstatt seine Kupplung ein- und ausbauen – vielmehr bedingt neben der Masse und Motorisierung des Wagens bereits ein umsichtiger Fahrstil die Reduzierung von Abgasen. Auch politisch wurde hier überregional eingegriffen.

 

Seit 1.6. neue EU Richtlinie für Abgasuntersuchungen

Den Stickoxid-Ausstoß bei neu zugelassenen Kraftfahrzeugen zu reduzieren, hat sich auch die Europäische Union auf ihre Fahnen geschrieben. Seit Beginn des laufenden Monats müssen für Euro 6-Pkw und Euro VI ausgewiesene AU-Werkstätten ihre Messgeräte per Software aufrüsten, um nicht von der nationalen Kfz-Innung in ihrem Zertifizierungsumfang beschnitten zu werden. Vor allem die Grenzwerte bei der Diesel-AU unterliegen strikter Beobachtung, denn hier stoßen selbst moderne Wagen oftmals noch immer an die offizielle maximale Schadstoffgrenze. Ob Dieselfahrzeugen Benzinern dennoch der Vorzug gegeben werden sollte, darüber herrscht auch unter Insidern keine Einigkeit. Niedrigere Spritpreise kombiniert mit geringerem Kraftstoffverbrauch stehen günstigeren Versicherungsbeiträgen der Benziner gegenüber. Zudem profitieren Letztgenannte von stetigem technischem Fortschritt, während eine weitere Verbesserung der Dieselmotoren nur noch schwer möglich ist. Auch wird durch die allgemein nicht zufriedenstellende Abgasreinigung die Nachhaltigkeit von Dieselfahrzeugen wieder eingeschränkt. Dennoch wurden im vergangenen Jahr mit etwas über 50 % erstmals mehr Diesel- als Ottomotoren in Deutschland verkauft, während Elektro und gasbetriebene Wagen noch immer abgeschlagen am Beginn ihrer Laufbahn stehen. Auch Hybridfahrzeuge haben den Durchbruch noch nicht geschafft, es wurden im letzten Jahr allerdings knapp 30.000 Neuzulassungen registriert. Die Popularität bestimmter Antriebe weist auch länderspezifisch hohe Differenzen auf: In den USA beispielsweise sind gegenwärtig nur rund 3 % Dieselfahrzeuge registriert. Ob das den hohen Anschaffungskosten oder den Fahrgewohnheiten geschuldet ist, steht nicht fest. Auf jeden Fall lohnt nach Expertenansicht ein Diesel in Hinblick auf das Einsparen von Kosten nicht, sollten in erster Linie viele kurze Strecken zurückgelegt werden müssen. Erst bei langen Touren auf Autobahnen und Bundesstraßen amortisieren sich die zumeist höheren Anschaffungskosten.

 

Noch am Anfang nachhaltiger Entwicklungen

Grob kalkuliert, wird ein rundes Drittel der im Sprit enthaltenen Energie von der Kupplung benötigt, weitere gut 30 % für das Kühlsystem – der verbleibende Anteil wird mit den Abgasen in die Umgebungsluft freigesetzt. Sämtliche Bemühungen, die Energie zuvor möglichst sinnvoll umzuwandeln, waren bislang von eher geringem Erfolg gekrönt. Die Nutzung durch einen sogenannten 'Turbocompound' erweist sich bislang einzig für schwere Kraftlastwagen oder Traktoren als zweckdienlich, und auch die dampfbetriebene Turbine konnte bei der Stromerzeugung der herkömmlichen Lichtmaschine nicht den Rang ablaufen. Unter anderem stellen die Kühlsysteme moderner Lkws das Problem dar, da dieses sich oftmals bereits am Limit befindet und keine zusätzliche Wärme abführen kann. Wer die Anschaffung eines Neuwagens unter dem Gesichtspunkt der Schonung von Geldbeutel und Umwelt plant, dem sei eine spontane Reise nach Friedrichshafen empfohlen – oder er informiert sich auf der Webseite des Ausrichters VDI Wissensforum über automobilrelevante Themen wie Fahrzeugelektronik, Getriebearten und allgemeine Nachhaltigkeit des Wagens.

 

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